1. Einheiten der Speicherung

Im vorangegangenen Kapitel wurde die Architektur moderner Computer betrachtet. Prozessoren, Arbeitsspeicher und Festplatten bilden die technische Grundlage für die Informationsverarbeitung nach dem EVAS-Prinzip und der von-Neumann-Architektur. Doch wie gelangen reale Informationen – Texte, Bilder, Töne oder Messwerte – überhaupt in den Computer? Und in welcher Form werden sie dort gespeichert?
Ein Computer kann nur mit digitalen Werten arbeiten. Analoge Größen aus der realen Welt müssen daher zunächst in eine Form gebracht werden, die der Computer verstehen und verarbeiten kann.
Diese Form sind Daten. Sie bestehen aus kleinsten, eindeutigen Informationseinheiten, die als Bits bezeichnet werden. Ein Bit kann nur zwei Zustände annehmen – „0“ oder „1“. Diese Zustände entsprechen in der technischen Umsetzung zwei unterschiedlichen elektrischen Spannungsniveaus. Durch die Kombination mehrerer Bits können komplexere Informationen dargestellt werden.

1.1 Bits und Bytes

Acht Bits ergeben ein Byte. Das Byte stellt die grundlegende Speichereinheit in der Informatik dar. Ein Byte kann 256 verschiedene Zustände annehmen (von 0 bis 255 bzw. 00000000 bis 11111111 in binärer Darstellung). Damit lassen sich beispielsweise einzelne Zeichen in Textdateien speichern.

  • 1 Bit = kleinste Informationseinheit (z. B. „0“ oder „1“)
  • 1 Byte = 8 Bit
  • 1 Kilobyte (kB) = 1 000 Byte (nach Dezimalsystem)
  • 1 Kibibyte (KiB) = 1 024 Byte (nach Binärsystem)

Übung

Aufgabe: Einheiten

1.2 Binärpräfix

In der Alltagssprache wird oft von „Kilobyte“, „Megabyte“ oder „Gigabyte“ gesprochen. Diese Begriffe stammen ursprünglich aus dem Dezimalsystem, werden aber in der Informatik häufig mit binären Werten verwendet. Um diese Unterscheidung eindeutig zu machen, wurden Binärpräfixe eingeführt.

Präfix Abkürzung Faktor (dezimal) Präfix (binär) Abkürzung Faktor (binär)
Kilo k 10³ = 1 000 Kibi Ki 2¹⁰ = 1 024
Mega M 10⁶ = 1 000 000 Mebi Mi 2²⁰ = 1 048 576
Giga G 10⁹ = 1 000 000 000 Gibi Gi 2³⁰ = 1 073 741 824
Tera T 10¹² = 1 000 000 000 000 Tebi Ti 2⁴⁰ = 1 099 511 627 776

Während Festplattenhersteller in der Regel die dezimalen Präfixe verwenden (1 GB = 1 000 000 000 Byte), nutzt das Betriebssystem meist die binären Präfixe (1 GiB = 1 073 741 824 Byte). Dadurch entstehen Unterschiede zwischen den auf der Verpackung angegebenen und den im Computer angezeigten Speichergrößen.

Übung

Aufgabe 1: Einheiten Abkürzungen und umwandeln

1.3 Anwendung und Beispiele

Speichereinheiten wie Bit und Byte begegnen im Alltag häufiger, als es auf den ersten Blick scheint. Dateien auf Computern, Smartphones oder USB-Sticks werden stets in Byte-Einheiten gemessen. Wer versteht, wie groß ein Kilobyte oder ein Megabyte ist, kann besser einschätzen, wie viel Platz einzelne Anwendungen oder Medien tatsächlich beanspruchen.

Ein einzelnes Textzeichen – etwa ein Buchstabe oder eine Zahl – benötigt in der Regel ein Byte. Ein kurzer Text mit 1 000 Zeichen beansprucht somit rund 1 000 Byte, also etwa 1 Kilobyte Speicher. Eine Textdatei lässt sich daher selbst auf kleinsten Speichermedien problemlos ablegen.

Anders verhält es sich bei komplexeren Datenarten:

  • Bilder: Ein digitales Foto, aufgenommen mit einer typischen Smartphone-Kamera, kann mehrere Millionen Bildpunkte enthalten. Jeder Bildpunkt (Pixel) wird durch Farbwerte dargestellt, die wiederum aus mehreren Bytes bestehen. Ein Foto in guter Qualität ist daher meist einige Megabyte groß.
  • Musikdateien: Digitale Musik wird aus vielen Abtastwerten pro Sekunde zusammengesetzt. Diese Informationen benötigen deutlich mehr Speicher. Eine dreiminütige Audiodatei im MP3-Format hat beispielsweise eine Größe von etwa 3 bis 5 Megabyte.
  • Videos: Filme enthalten pro Sekunde viele Einzelbilder mit Ton und gehören daher zu den datenintensivsten Medien. Selbst stark komprimierte Videos überschreiten schnell mehrere Gigabyte.


Die folgende Übersicht verdeutlicht typische Größenordnungen:

Dateityp Beispielinhalt Ungefähre Größe
Textdokument 1 000 Zeichen ca. 1 KiB
Foto (Smartphone, 12 MP) JPG-Datei ca. 3–6 MiB
Musikstück (3 Minuten, MP3) Tondatei ca. 4 MiB
HD-Video (1 Minute) MP4-Datei ca. 100 MiB
Spiel oder Programm Anwendung einige GiB

Solche Vergleiche helfen, ein Gefühl für Datenmengen zu entwickeln. Speicherangaben auf Geräten – etwa „256 GB“ beim Smartphone oder „1 TB“ auf einer Festplatte – werden greifbarer, wenn nachvollzogen werden kann, wie viele Bilder, Lieder oder Videos darin Platz finden.

Übung

Aufgabe 1: Dateien Speicherbedarf zuordnen

Aufgabe 2: Speicherbedarf